Ein Geräusch, ein Bild und dann ein Gefühl.
von Ricardo
In Westportugal, an der Atlantikküste, ca. 50 km südlich von Porto bräunt die Sonne die Menschen. Es sind 30°, der Sandstrand ist samtweich und schneeweiß, die Wellen rauschen gleichmäßig. Das Wasser hat 16°, den Portugiesen ist das zu kalt. Sie spielen daher in den ersten 20 Metern der Brandung mit den Wellen. Ganz hinein wagt sich kaum jemand. Schwimmend bin ich der Einzige. Die größten Wellen brechen dort, wo niemand stehen kann – jedenfall kein Portugiese. Mit sporadischen Armzügen überwinde ich spielend die Wellenberge, um mich dann – zur Steigerung der Spannung – mit dem Blick zum Land, rückwärts aufs Wasser zu legen (“Wie geht toter Mann?”). Einige Minuten treibe ich so an der Wasserobefläche; richtig neue Wellen überraschen mich nicht.
Plötzlich vernehme ich ein scharfes, sehr lautes Knacken – etwa wie der Auftakt des Donners eines sehr dicht einschlagenden Blitzes. Aufgeschreckt werfe ich den Kopf nach links, sehe über meine Schulter und blicke in den Tunnel einer brechenden Welle. Der überschlagende Wellenkamm rast auf mich zu. Die Welle ist dunkelblau, fast schwarz und sieht aus, als könne man darin surfen. Für einen Augenblick ist es wunderschön. Dann bricht die Welle über mir zusammen. Donnergrollen und dumpfes Platschen. Ich schließe die Augen und halte die Luft an. Die Kraft des Wassers wirbelt mich herum. Oben und unten lässt sich nicht mehr unterscheiden. Erst lange nachdem die Welle vorüber ist, tauche ich auf – genau in die Gischt ihrer Nachfolgerin.
Leicht angedröhnt schwimme ich zurück und bleibe noch etwas im flachen Wasser um mich zu erholen.

Kommentare
Einfach wunderschön (mein letztes entsprechendes Urlaubserlebnis scheint Äonen entfernt zu sein und ist es leider wahrscheinlich auch). Nur das “angedröhnt” im letzten Satz klang mir zu hart und holte mich somit wieder in die Wirklichkeit zurück…