Faszination der Mac-Spekulation

von Ricardo

Es ist jetzt etwa 3 Monate her, dass ich fiebrig vor der TNT-Paketnachverfolgung hockte, um kurz später ein Powerbook entgegenzunehmen.
apple karton

Längst im Apfel eingelebt, stelle ich stets neu fest: die Hardware ist einfach schick und das Betriebssystem allen mir bisher bekannten haushoch überlegen. Das sag ich dann auch ganz gern. Von meinen unmittelbaren Nachbarn (ebenfalls tendenziell NERDs!) erhalte ich dann ein “du redest nur noch von deinem mac”. Darum an dieser Stelle ein ehrliches: ‘Tschuldigung. – Ich will es ja nur loswerden; ist wie bei andern Männern mit Alu-Felgen am Audi.’

Die Hersteller der Apfelcomputer kreieren ja auch eine magisch anziehende Atmosphäre um ihre Produkte. Seit etwa einem Monat lese ich mac-essentials. (rss) Möglicherweise sind die Veränderungen in der Mac-Welt derzeit wirklich so gravierend und phänomenal, wie sie scheinen und daher ist meine Faszination sogar gerechtfertigt; aber selbst wenn nicht: Die Visionen zu einer stärkeren Marktverbreitung des Mac-Zeugs sind allemal spannend.

bootcamp logo
Da gibt es z.B. Bootcamp. Eine Software um Windows “nativ” auf einem Macintosh betreiben zu können. So wie auf einem Dell-, IBM- oder HP-Computer. Nur schicker und besser. Und die Welt ist noch komplexer:

Davon ausgehend, dass viele Leute bei Windows bleiben, weil “die ganzen Programme ja für Windows laufen”, schreibt mac-essentials hier – als Zitat eines dritten (primärquellenrecherche bitte selbst vornehmen):

“Apple hat also mehrere Möglichkeiten, »das Verlangen des Big Business« nach Windows auf dem Mac zu befriedigen: man werde einen Mac direkt mit Vista booten können oder man werde Vista als virtualisiertes OS nutzen können, so Cringely – also entweder das Prinzip Boot Camp oder das Prinzip Parallels. Der dritte Weg, den Cringely nun vorschlägt, würde dazu führen, daß man Windows XP-Anwendungen direkt unter OS X ausführen kann – ohne eine bremsende Kompatibilitätskrücke, sondern mit dem Windows API, das Apple direkt in OS 10.5 implementiert. Soweit, so möglich, nur gehört die Windows API eben Microsoft, und nicht Apple. Um dieses Problem aus der Welt zu schaffen, folgt jetzt der Cringely-typische Spekulationsteil, also der, wegen dem wir alle seine Kolumne lesen:

beim großen Deal zwischen Steve Jobs und Bill Gates im Jahre 1997, als Microsoft 150 Millionen Dollar an Apple überwies und damit einen Patentstreit beendete, erhielt Apple noch etwas – nämlich bestimmte Rechte an der Windows API, an der Windows XP-API genauer gesagt. Deshalb läuft seit damals in Apples Labs ein geheimes OS X, das Apple- und XP-Software gleichermaßen ausführen kann. Boom! Dies, so Cringely, sind keine Gerüchte, sondern Berichte von Leuten, denen das neue OS X mit Apple- und XP-Anwendungen vorgeführt wurde.

Also: ein aufgepeppter OS X-Kernel mit nativer Unterstützung von Windows-Programmen, keine Windows-Kopie, die man kaufen muss, keine Emulation, keine Chance für Microsoft, störend dazwischen zu funken, erheblich bessere Sicherheit. Und: niemand muß auf Vista warten. Wenn »Big Business« nicht auf Windows Vista warten und die User kein Windows XP kaufen müssen, bedeutet dies vor allem eines: kein Geld für Microsoft. Vielleicht ist Microsoft in ein paar Jahren wirklich nur noch die Firma, die nette Mäuse und die Xbox herstellt. Ford hatte in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts ein Quasi-Monopol im US-Automarkt, General Motors war ein Hersteller von Nischenprodukten. Es dauerte ganze sieben Jahre, dann hatte sich das Bild umgekehrt. Auch Apple hatte bei Betriebssystemen mal den größten Marktanteil, bis sich das Bild zur heutigen Situation umkehrte.

Niemand weiß, was die nächsten sieben Jahre bringen werden. Nur – vor einem Jahr wären selbst solche Spekulationen wie die von Robert X. Cringely nicht mal denkbar gewesen. Wie auch immer – es sind mal wieder aufregende Zeiten, in denen wir leben: For the loser now will be later to win, for the times they are a-changin’.”

[quelle]

Und weil das so schön ist, hier nochmal ein wundervoller Verriss des “neuen” Betriebssystems Vista:

“Vistas neues Sicherheitssystem User Account Protection (UAP) ist »ein trauriger, trauriger Witz«, das »eine unglaubliche Anzahl von Warndialogen selbst für die einfachste Aufgabe« produziert. Daß diese Dialoge immer wieder erscheinen, »wäre urkomisch, wenn sie nicht in wenigen Monaten hunderte von Millionen Usern betreffen würden. Tatsächlich ist diese Hinterlist fast kriminell.« Auch Vistas »Glasfenster« und das Media Center (»Es ist so übel – ich weiß nicht, womit ich beginnen soll«) bekommen ihr Fett weg. Am Ende seines langen, wütenden Verrisses versucht Thurrot seinen Tirade etwas zu relativieren: »Ich hasse Vista nicht, und ich hasse Microsoft nicht dafür, daß sie mich und zahllose andere Kunden so enttäuscht haben. [...] Windows Vista war Microsofts erste Gelegenheit seit Windows 95, nach der Krone zu greifen. Es wird ein weiteres Jahrzehnt dauern, bis sie es wieder versuchen.«

[quelle|original]

Wahrscheinlich wird Windows noch eine Weile Nr.1 bleiben (auch im Apfelland ist man da realistisch). Schön ist aber doch die Symbolik des Bootcamp-Logos (siehe oben): Eine farblose Version des Windows-Logos mit einem X in der Mitte.