Schaltsekunden und Mondflucht

von Ricardo

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Heute habe ich gelernt, dass es Schaltsekunden gibt. Da legen gewisse Leute fest, dass (im Juni oder Dezember) am Monatsende einfach eine Sekunde mehr gezählt wird, falls der Mond die Erde zu stark bremst. 23:59:59 – 23:59:60 – 0:00:00.
Zum Hintergrund:
Die Sekunde ist nicht mehr als 1/86400stel eines Tages definiert, sondern als Zeit, in der gewisse Caesium-Atome ca. 9 Milliarden mal schwingen. Da sich aber die Erdrotationsgeschwindigkeit verringert, muss man alle paar Jahre mal schummeln und eine Schaltsekunde ergänzen – wie erwähnt. Und warum bremst der Mond die Erde? Die Gravitation erzeugt Wasserwellenberge, die aber durch die Rotation der Erde (um die Kontinente herum) fließen müssen. Der Wellenberg ist also immer ein Stück zu weit vorn, die Mondanziehung zieht uns zurück und verlangsamt unsere Drehung. So isses. Und um nun noch eines draufzusetzen, halte ich jetzt noch fest, warum man in diesem Zusammenhang von “Mondflucht” spricht. Der Mond dreht sich nicht um die Erde, sondern Mond und Erde drehen sich gemeinsam um ihr “Erde-Mond-System”. Da die Erde aber sehr viel schwerer ist, befindet sich der Schwerpunkt (um den sich beide drehen) noch im Erdinnern – bei ca. 0,7 Erdradien. Verlangsamt sich nun die Rotation der Erde, wird dem „Erde-Mond-System“ Rotationsenergie entzogen. Und um dennoch alles im Gleichgewicht zu halten, (Gravitation-Fliehkraft) vergrößert sich der Erdabstand zum Mond allmählich.
Jetzt die Spannung der Wissenschaft bei dem Thema:
Die richtige Schlussfolgerung aus dem oben stehenden ist, dass Erdentage früher kürzer waren. Die Erde war schneller, der Mond dichter. Beim Zurückrechnen und “Mond-Näherrücken”, kommt man zum Ergebnis, dass das “Erde-Mond-System” ca. 2 Milliarden Jahre alt ist. Ok. Der Mond ist aber 4,5 Milliarden Jahre alt. Wie kann das sein?
Die Antwort ist so verblüffend, wie einfach:
Die Kontinente stehen im Moment sehr ungünstig. Heute gibt’s recht viele Hindernisse im Wasser, welche die Rotation im Moment (in diesen Jahrtausenden) außergewöhnlich stark bremsen. Früher (als alles noch ein Superkontinent war) konnte das Wasser (vom Mond angezogen) sehr viel reibungsärmer fließen und die Bremswirkung des Mondes war kleiner. Der Mond kann also durchaus 4,5 Milliarden Jahre alt sein.